Revolutionäre Erfindung in Wien 1840

  • von Peter Coeln
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Am 19. August 1839 wurde in Paris die Erfindung der Fotografie öffentlich gemacht. Schon vier Tage später, am 23. August, findet sich in der „Gazette de France“ eine Anzeige von Susse Frères, in der die erste kommerziell hergestellte Kamera der Welt beworben wird. Der von den Gebrüdern Susse gebaute und mit einem Objektiv von Chevallier ausgestattete „Daguerreotype“ entspricht in allen Details den von Daguerre vorgestellten Plänen.

Susse Frères Kamera - WestLicht Kameramuseum - Coeln Cameras Blog

Die einzige heute noch erhaltene Kamera dieser Art ist das Highlight der permanenten Ausstellung des Foto- und Kameramuseums WestLicht in Wien. Kurz nach Erscheinen der „Susse Frères“ kamen der Giroux Daguerreotyp und in der Folge weitere Kameras für die Herstellung von Daguerreotypien auf den Markt.

Allgemein werden die Erfindung und Entwicklung der Fotografie ausschließlich Pionieren aus Frankreich und England zugeschrieben. Es ist wenig bekannt, dass die Fotografie schon ein Jahr nach ihrer Geburtsstunde durch eine in Österreich gemachte Erfindung revolutioniert wurde. Unter Mithilfe von elf Helfern der kaiserlichen Artillerie gelang es dem Physikprofessor und Mathematiker Josef Maximilian Petzval ein Objektiv mit der sensationellen Lichtstärke von 1:3,7 zu rechnen.

Petzval Objektiv - WestLicht Kameramuseum - Coeln Cameras Blog

Damit war das erste wissenschaftlich und speziell für die Fotografie berechnete Objektiv 16x lichtstärker als jene von Chevallier. Das von Peter Wilhelm Friedrich Voigtländer in Wien gebaute 4-linsige Objektiv konnte die Belichtungszeit von 20 Minuten auf 30 Sekunden reduzieren. Das „Petzval Objektiv“ wurde in der Folge über Jahrzehnte hinweg von vielen Herstellern gebaut.

Metallkamera von Voigtländer, Detail - WestLicht Kameramuseum - Coeln Cameras Blog    Metallkamera von Voigtländer - WestLicht Kameramuseum - Coeln Cameras Blog

Einzigartiges Ensemble aus Voigtländer Kamera Nr.2 + Nr.344

Die erste Kamera, die mit diesem Objektiv ausgestattet wurde, war die von Voigtländer in Wien gefertigte „Metallkamera“. In einem für die Zeit utopischen Design war diese komplett aus Messing bestehende kanonenförmige Kamera trotz des hohen Preises (er entsprach dem Wert eines guten Rennpferdes) ein Verkaufserfolg. Es wird geschätzt, dass bis 1842 etwa 600 Stück dieser Kamera gebaut wurden. Weniger als zehn dieser Geräte sind erhalten geblieben und befinden sich allesamt in staatlichen Museen.

Um so mehr freut es uns, dass auch das Fotomuseum WestLicht jetzt eine dieser Raritäten aus den Pioniertagen der Fotografie dauerhaft in seiner Sammlung zeigen kann. Dabei wird in der Vitrine nicht nur die Kamera selbst ausgestellt, sondern auch das originale Bedampfungsgerät (von dem nur ein weiteres weltweit bekannt ist), Zubehör, eine Anleitung aus 1841 und auch Daguerreotypien im charakteristischen Rundformat. Eine dieser seltenen Aufnahmen zeigt ein Portrait von Maximilian von Bayern aus 1841, dem Vater der späteren Kaiserin Sisi.  

Metallkamera von Voigtländer - WestLicht Kameramuseum - Coeln Cameras Blog

WestLicht freut sich, die beiden wichtigsten Kameras aus der Frühgeschichte der Fotografie hoffentlich bald zeigen zu können.

Bleiben Sie gesund!

Peter Coeln

Fotografien courtesy WestLicht. Museum für Fotografie

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  • Revolutionary invention in Vienna in 1840 | Coeln Cameras Blog – Vintage Cameras & Lenses | Coeln Cameras
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