A. Them-Steyr, Photosport, ca. 1925

  • von Peter Coeln
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Sehr viel wurde immer wieder über die Frühzeit der 35mm Fotografie and der damit verbundenen Kameratechnik geschrieben.

35mm-Film (auch Normalfilm) ist ein Filmformat, bei dem der Filmstreifen 35mm breit ist. Er wurde ursprünglich für die Aufzeichnung von Bewegtbildern (Kinofilme) entwickelt, erst später wurde er auch in der Stehbildfotografie als Kleinbildfilm (KB-Film, 135er) verwendet. In beiden Bereichen wurde er zum meistgenutzten Filmformat.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es verschiedene Versuche, Fotokameras für die Verwendung des perforierten Kinofilms mit 35mm Breite zu konstruieren. Oskar Barnack entwickelte dann 1913 für Leitz den ersten Prototyp eines solchen Fotoapparates (Ur-Leica). Der ursprüngliche Zweck des Apparates war, am Filmset kurze Filmstreifen desselben Rohfilms in eine sogenannte „Kleinbildpatrone“ zu wickeln und unabhängig von der großen Filmkamera zu belichten, um die Ausleuchtung einer Szene, die am nächsten Tag gedreht werden sollte, zusammen mit dem Material des abgedrehten Tages im Kopierwerk entwickeln und damit vor dem Dreh überprüfen zu können. Darüber hinaus waren nun auch Standfotos auf die gleiche Weise herzustellen.

Dass die von Barnack entwickelte Kamera, die erst einige Jahre nach Ende des ersten Weltkrieges weiterentwickelt wurde, um 1925 auf den Markt zu kommen, ein Welterfolg sein würde, war nicht abzusehen.

Neben Leitz gab es eine Reihe von anderen Herstellern, die um 1925 begannen, den perforierten Kinofilm für kleinere, handliche Kameras zu verwenden. Mit Hilfe der damals ebenfalls neuen Vergrößerungsgeräte konnten entsprechende Abzüge entwickelt werden.

Alle dieser frühen 35mm-Kameras wurden von kleinen Erzeugern gefertigt, die sich nicht längerfristig am Markt behaupten konnten. Die meisten dieser Kleinbildkameras sind daher selten bis sehr selten und ein beliebtes Sammlergebiet.

Kameras wie die Homeos, die Sico, die Simplex, der Minigraph, der Phototank, die Esco, die Eka, die Rothschloss und einige mehr waren interessante Konstruktionen und darüber hinaus maßgeblich an der Entwicklung der Kleinbildfotografie beteiligt.

Auch in Österreich gab es eine sehr interessante Entwicklung. So wurde von der Firma Ö.T.A.G. (Österreichische Telefon Aktien Gesellschaft) eine einfache 35mm-Kamera gebaut, die Amourette. Ein Prototyp der Kamera und praktisch alle Varianten (mit verschiedenen Objektiven und Verschlüssen) sind im Fotomuseum WestLicht ausgestellt.

Eine zweite Firma, die Apparate G.m.b.H., kam parallel mit einer sehr ähnlichen Kamera auf den Markt, der Photorette, die aber im Gegensatz zur Amourette kein großer Erfolg war, weshalb entsprechend wenige Kameras produziert wurden.

Umso bemerkenswerter ist die großartige Entdeckung einer weiteren österreichischen 35mm-Kamera. Als Zufallsfund und Geschenk an das Museum bekamen wir eine A. Them-Steyr, Photosport, die sich nach langen Recherchen als wirkliche Großrarität entpuppte. Es gibt lediglich eine weitere Abbildung dieser Kamera in Michel Auer, The Guide to Antique Cameras, no.1420. 

 

Die Kamera ist sehr ähnlich der Amourette, nur etwas größer. Es wurden Aufnahmen im Format 24x30mm auf perforiertem 35mm-Film in Spezialkassetten gefertigt. Das Objektiv ist ein Laak Dyalitar Anastigmat 4,5/45mm Nr.57545 in Dial-set Compur Verschluss (diese Objektive wurden teils auch in Amourette Kameras verwendet). Die Seriennummer lautet 108, es ist wahrscheinlich die neunte Kamera, um 1925 gebaut.

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Sie wurde vermutlich von Karl Them (1888–1966), der das erste Fotogeschäft in Steyr (OÖ) betrieb, konstruiert und gebaut.

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Da nur zwei Exemplare dieser Kamera bekannt sind, ist die Photosport die seltenste aller frühen 35mm-Kameras und es freut mich sehr diese in meinem ersten Blogbeitrag präsentieren zu dürfen und sie in unserem permanenten Kameramuseum ausstellen zu können. 

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Ich freue mich schon jetzt, Ihnen weitere spannende Kameras vorstellen zu können und bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Alles Gute, gesund bleiben,

Peter Coeln

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1 Kommentar

  • Kameras sind Wächter der Zeit.
    Danke Peter “CC” für diesen interessanten Einblick in die Zeit-Geschichte der Kameratechnik. Go ahead!

    Gabor Littasy on

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